|
02.06.2006
Verblüffende Ergebnisse: "Readerscan" deckt Lektüreverhalten" der Leser auf

Das neue, tägliche Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers stieß bei der Presseclub-Veranstaltung auf großes Interesse.Aus erster Hand berichtete Joachim Frank (3.v.r), stellv. Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers.
"Readerscan", ein von dem Schweizer Carlo Imboden erfundenes elektronisch gestütztes Messverfahren, bietet Tageszeitungs-Redaktionen ungeahnte Möglichkeiten, das tatsächliche Lektüreverhalten ihrer Leser kennenzulernen. "Mit keiner anderen Methode erhält die Redaktion so schnelle und vielfältige Reaktionen; keine andere Methode setzt vergleichbare Diskussionsprozesse in Gang", sagte Joachim Frank, stellvertretender Chefredakteur des "Kölner Stadt-Anzeiger" (KStA), in einer sehr gut besuchten Vortragsveranstaltung des Presseclubs-Kassel.
?Vermischtes? steht
an der Spitze
Die erste Messwelle im November 2005 habe für den KStA spannende Erkenntnisse gebracht - und allerhand Überraschungen. So würden lange Textformen wie Reportage und Feature von den Lesern viel besser angenommen, als manche es im Zeitalter der "Häppchen-Informationen" befürchtet hatten. Voraussetzung sei aber, dass Autoren und Redaktion ihr Handwerk beherrschen. "Ein brisantes Thema, ein hervorragend geschriebener Text, ein ansprechendes Layout - das bringt Quote", so Frank. Auch gebe es eine hohe News-Orientierung der Leserschaft. Während die Leser in Vorabbefragungen bekundeten, sie läsen hauptsächlich nationale und internationale Politik, stehe in der realen Nutzung das Ressort "Vermischtes" an der Spitze des Interesses. Kultur und Sport zählten dagegen zu den "Minderheitenprogrammen", berichtete Frank weiter. Dennoch seien beide Ressorts für eine Qualitätszeitung dennoch unverzichtbar. "Die Quote ist nicht alles." Frank trat für den Kölner Stadt-Anzeiger Befürchtungen entgegen, Readerscan könne als Hebel genutzt werden, die Angebotspalette der Tageszeitung drastisch zu verändern. "Niemand erwartet, dass eine Opernpremiere so viel Aufmerksamkeit findet wie Angelina Jolie." Allerdings müsse sich jedes Ressort innerhalb seiner Margen darum bemühen, die Lesequoten zu steigern - was nichts anderes bedeute, als Lesedauer und -intensität zu erhöhen - und damit die Leser-Blatt-Bindung.
Konsequenz: Neues
Service-Magazin
Als eine Konsequenz der Untersuchungsergebnisse hat der "Kölner Stadt-Anzeiger" ein tägliches Magazin einführt. Es bietet Service-Themen aus den Feldern Familie&Erziehung, Gesundheit, Mode, Essen&Trinken, Wellness, Wohnen, Freizeit, U-Musik, DVD&Video, Informationstechnik sowie mit Veranstaltungstipps und dem TV-Programm - im wesentlichen jene Bereiche, die von den weiblichen Lesern besonders nachgefragt werden, die ihnen dieTageszeitungen bislang aber in eher geringem Umfang anbieten. Frank sprach von einer beachtlichen Investition des Verlags in das redaktionelle Angebot. "Das ist - um ein Bild aus der Autobranche zu nehmen - ein Stück Modellpflege."(jf/gmb)
<< zurück
|
 |
|
|